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Das Restaurant „Der Hirsch“ im Hüttenberger Ortsteil Vollnkirchen hat nach 15 Jahren seinen Betrieb eingestellt. Die Inhaber Katrin Bauer und Marcel Ulm gaben die Schließung Ende Juli 2025 bekannt. Für viele Gäste kam die Nachricht überraschend, doch die Entscheidung war über längere Zeit gereift.
Das Lokal eröffnete 2010 zunächst unter dem Namen „Zum Goldenen Hirsch“. Bauer und Ulm wollten die Gastgeberkultur aus Österreich und Bayern nach Mittelhessen bringen: Dankbarkeit für jeden Gast, hohe Qualität und das Gefühl, den Besuchern einen kleinen Urlaubstag zu schenken. Marcel Ulm brachte Erfahrung als Haubenkoch aus der Spitzengastronomie mit, Katrin Bauer hatte in Bayern und Österreich gearbeitet. Ihr Konzept setzte auf Regionalität, Nachhaltigkeit und erschwingliche Preise, wodurch das Restaurant schnell überregionale Bekanntheit erlangte.
Um den Anspruch dauerhaft zu erfüllen, entwickelten die Betreiber besondere Formate wie Themenabende, Weinproben oder „Katis Kneipe“. Diese Veranstaltungen ermöglichten eine planbare Küche und halfen, Kosten zu reduzieren. Dennoch wurde es zunehmend schwieriger, die eigenen Ideale mit den äußeren Rahmenbedingungen zu vereinbaren. Schon vor der Corona-Pandemie belasteten Bürokratie und gesetzliche Vorgaben den Betrieb. Während der Lockdowns durften statt 120 Gästen oft nur 30 bewirtet werden. Kaum war diese Krise überstanden, folgte der Ukraine-Krieg mit stark steigenden Lebensmittel- und Energiekosten, höheren Personalkosten und Zinsen. Hinzu kam die Rückzahlung von Coronahilfen.
Bauer und Ulm betonten, dass sie keine Kompromisse bei Qualität oder Preisen eingehen wollten. Weder drastische Preiserhöhungen noch minderwertige Waren kamen für sie infrage. Obwohl das Restaurant nie ein Auslastungsproblem hatte, machten die veränderten Bedingungen eine Fortführung unmöglich. „Wir haben 15 Jahre alles gegeben, wir haben Gastronomie gelebt“, erklärte Bauer. Doch der „stete Tropfen“ habe den Stein ausgehöhlt.
Die Entscheidung zur Schließung fiel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ein neues Lokal ist nicht geplant; beide wollen der Gastronomie zunächst den Rücken kehren. Was bleibt, ist Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit mit Gästen und Mitarbeitern. Die Resonanz auf die Schließung war überwiegend verständnisvoll und von Wertschätzung geprägt. Viele Gäste äußerten Trauer, aber auch Anerkennung für die geleistete Arbeit. Bauer sprach von dem besonderen „Hirschzauber“: Wer einen schlechten Tag hatte, konnte im Restaurant neue Kraft schöpfen.